MiZD

Mensch im Zentrum Dithmarschen - Träger der Jugendhilfe und Sozialpädagogische Einrichtung



Begleitete Umgänge


Der begleitete Umgang ist durch verschiedene Gesetze geregelt, die u. a. Folgendes festlegen:

  • Der Umgang mit beiden Elternteilen oder mit anderen wichtigen Bezugspersonen dient in der Regel dem Kindeswohl, sofern die Aufrechterhaltung des Kontakts die kindliche Entwicklung fördert (§ 1626 Abs. 3 Bürgerliches Gesetzbuch – BGB).
  • Ist das Wohl des Kindes durch den Umgang nach Auffassung des Familiengerichts gefährdet, kann es das Umgangsrecht aufheben oder einschränken. Dazu kann auch begleiteter Umgang angeordnet werden (§1684 Abs. 4 BGB).
  • Dient der Umgang dem Kindeswohl, erstreckt sich das Umgangsrecht auch auf Großeltern, Geschwister oder enge Bezugspersonen, die für das Kind tatsächlich Verantwortung tragen oder getragen haben (§1685 BGB).
  • Kinder, Eltern und andere umgangsberechtigte Personen haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung bei der Ausübung des Umgangsrechts (§ 18 Abs. 3 Kinder- und Jugendhilfegesetz – KJHG).


Begleiteter Umgang kann von verschiedenen Institutionen durchgeführt werden. In erster Linie wird er von den zuständigen Jugendämtern vorgenommen, aber auch andere Träger der Kinder- und Jugendhilfe, wie z. B. der deutsche Kinderschutzbund, bieten Umgangsbegleitung an. Vor seinem Einsatz muss jeder Umgangsbegleiter eine Ausbildung in Form einer Zertifikatsschulung absolvieren, um die erforderlichen Kompetenzen zu erwerben.

Begleiteter Umgang: Die praktische Umsetzung des Rechts

 Begleiteter Umgang: Die Standards dienen Familienrichtern als Handlungsorientierung.Im Sommer 2007 hat eine Fachkommission im Auftrag des Bundesfamilienministeriums „Deutsche Standards zum Begleiteten Umgang“ erarbeitet und veröffentlicht. 

Sie dienen Familienrichtern, Anwälten für Scheidungsrecht und Trägern der Jugendhilfe zur Orientierung für ihre Entscheidungen und Handlungen und erläutern ausführlich die Rechtslage.

Außerdem geben sie Anleitungen, wie die Gesetze in der Praxis umzusetzen sind. Im Folgenden sollen die wichtigsten Punkte aufgeführt werden.

Wann kommt begleiteter Umgang zustande?

Begleitete Umgänge können entweder von einem Familiengericht angeordnet werden oder nach privater Vereinbarung zwischen dem betreuenden Elternteil und der umgangsberechtigten Person erfolgen. Betreuter Umgang kann beim Jugendamt beantragt werden, das für den jeweiligen Ort zuständig ist.

Betreuter Umgang kann verschiedene Gründe haben

Wann ist begleiteter Umgang sinnvoll? Bestimmte Situationen können es notwendig machen, den Umgangskontakt zu betreuen, um das Wohl des Kindes zu gewährleisten. Dies ist z. B der Fall, wenn

  • die Beteiligten nicht bereit sind, Absprachen miteinander zu treffen, weil z. B. keine einvernehmliche Scheidung stattfand.
  • das Kind bisher keinen Kontakt zum Umgangssuchenden hatte oder der Kontakt lange Zeit unterbrochen wurde.
  • der Umgangssuchende suchtmittelabhängig oder psychisch krank ist.
  • Verdacht auf sexuellen Missbrauch oder auf körperliche Misshandlung durch den Umgangssuchenden besteht.
  • der Umgangssuchende keine ausreichende Erziehungskompetenz besitzt und die Sicherheit und Versorgung des Kindes nicht gewährleisten kann.
  • die Gefahr des Kindesentzugs besteht.

Die Entscheidung, wann begleiteter Umgang sinnvoll ist, wird letztendlich für jeden Einzelfall vom Familiengericht getroffen – oder in einer privaten Vereinbarung. So ist es unter Umständen fraglich, ob begleiteter Umgang für Kleinkinder oder Neugeborene zumutbar ist, wenn diese durch das Nicht-Verstehen der Situation belastet werden. Ebenso kann der Kindeswille auf das Umgangsrecht Einfluss haben. Auch hier ist das oberste Gebot das Wohl des Kindes.

Wie läuft begleiteter Umgang ab und wie lange dauert er?

 Begleiteter Umgang: Im vorbereitenden Gespräch können alle Beteiligten ihre Sicht der Dinge schildern.Wie der begleitete Umgang konkret durchgeführt wird, ist vor allem von der Institution abhängig, die die Umgangsbegleitung anbietet. In der Regel sind jedoch drei Phasen zu beobachten: Vorbereitung, Durchführung und Abschluss. 

In der Vorbereitungsphase werden der Fall geprüft und die Modalitäten mit der beteiligten Institution geklärt. Es folgen Gespräche mit allen Beteiligten: dem Kind, dem betreuenden Elternteil und der umgangsberechtigten Person. Dies können gemeinsame Gespräche sein oder Einzelsitzungen.

Dieser Austausch dient verschiedenen Zwecken:

  • Klärung der Motivation
  • Darstellung der Situation aus Sicht der Beteiligten
  • genaue Zielsetzung
  • Einigung über die konkrete Leistungserbringung (Zeitablauf, Kostenübernahme etc.)
  • Bekanntmachung mit dem Umgangsbegleiter

Nach Abschluss der Gespräche und dem Zustandekommen einer Vereinbarung erfolgt die Durchführung entsprechend den vorangegangenen Absprachen. Begleiteter Umgang kann in den Räumlichkeiten der Institution stattfinden, in der Wohnung der umgangsberechtigten Person oder auch an einem anderen Ort wie z. B. einem Spielplatz oder Park.

Da begleiteter Umgang zum Ziel hat, einen möglichst normalen Umgang mit dem Kind zu ermöglichen, hält sich der Umgangsbegleiter in der Regel im Hintergrund. Seine Aufgabe ist es, die Beteiligten bei Bedarf zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass die getroffenen Vereinbarungen eingehalten werden. Als außenstehende Person ergreift er für keine der beteiligten Personen – mit Ausnahme des Kindes – Partei.

Wie lange begleiteter Umgang dauert bzw. wie oft begleitete Umgangskontakte stattfinden, ist stets vom Einzelfall abhängig. So kann der begleitete Umgang ein paar Wochen dauern oder sich über mehrere Jahre hinziehen. Über die Dauer entscheidet das Familiengericht in Absprache mit dem Jugendamt.
 Begleiteter Umgang – und was kommt danach? Häufig fragen sich die Beteiligten, was nach Ablauf der Umgangsbegleitung geschieht. Wird der begleitete Umgang erfolgreich durchgeführt, erfolgt in der Abschlussphase die Erarbeitung einer Regelung, wie der Umgang in Zukunft ohne professionelle Hilfe fortgeführt werden kann. 

Danach liegt es in der Eigenverantwortung der Beteiligten, das Umgangsrecht umzusetzen.

Betreuter Umgang, aber das Kind will nicht: Ist ein Abbruch möglich?

Weigert sich einer der Beteiligten, am begleiteten Umgang teilzunehmen, oder kommen die Richter durch die Berichte des Umgangsbegleiters zu der Einsicht, die Maßnahme diene nicht dem Kindeswohl oder erfülle nicht den beabsichtigten Zweck, können sie den begleiteten Umgang auch abbrechen lassen und den Fall neu verhandeln. Dann ist es z. B. möglich, den Umgangskontakt gänzlich zu unterbinden oder mit strengeren Auflagen zu versehen.

Begleiteter Umgang: Kosten und Finanzierung

Welche Kosten auf die Beteiligten bei begleitetem Umgang zukommen, ist davon abhängig, welcher Hilfeträger die Umgangsbegleitung durchführt. In manchen Fällen kann die Kostenübernahme bei der jeweiligen Institution beantragt werden, ansonsten hat der Umgangssuchende für die Sitzungen aufzukommen.

Ein Antrag auf Kostenübernahme als Jugendhilfeleistung kann auch beim örtlich zuständigen Jugendamt eingereicht werden.